Golf Wetten Each Way: Berechnung, Beispiele und wann sich die Wette lohnt

Mein erster Each-Way-Gewinn kam durch einen Spieler, den ich kaum kannte. Ich hatte ihn beim Masters auf dem Radar, weil seine Strokes-Gained-Werte stimmten, aber an einen Sieg glaubte ich nicht. Der Einsatz: CHF 20 auf eine Quote von 66.00, Each Way. Er landete auf Platz 4. Kein Sieg, kein Jackpot, aber die Auszahlung lag bei über CHF 180. Hätte ich nur auf den Sieg gesetzt, wäre alles weg gewesen.
Genau das macht Each Way bei Golfturnieren so interessant. Bei über 150 Teilnehmern pro Event startet selbst der Favorit mit Quoten jenseits von 10.00. Die Wahrscheinlichkeit, den exakten Sieger vorherzusagen, ist verschwindend gering. Each Way fängt das auf, indem es zwei Wetten in einer kombiniert: eine auf den Sieg und eine auf die Platzierung. Das klingt simpel, aber die Berechnung dahinter hat Tücken. Genau dort trennt sich die fundierte Analyse vom Bauchgefühl.
In der Schweiz, wo der Sportwettenmarkt unter dem Geldspielgesetz streng reguliert ist, bieten lizenzierte Anbieter Each Way für alle grossen Golfturniere an. Die Wettart ist kein Nischenprodukt, sondern das Standardinstrument für jeden, der bei Golfturnieren über die reine Siegwette hinausdenkt. Trotzdem berechnen die wenigsten Wettkunden, ob sich Each Way in einer konkreten Situation tatsächlich lohnt.
In diesem Artikel zerlege ich die Each-Way-Mechanik komplett: Formel, Break-Even-Punkt, Platzierungsbedingungen bei verschiedenen Turnierformaten und die häufigsten Fehler, die ich in elf Jahren Golfwetten immer wieder sehe. Jede Zahl ist nachvollziehbar, jeder Schritt mit einem konkreten Beispiel unterlegt.
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Inhaltsverzeichnis
Das Prinzip: Zwei Wetten in einer
Vor ein paar Jahren sass ich mit einem Kollegen vor dem Fernseher, PGA Championship, Schlussloch. Er hatte CHF 10 auf einen Aussenseiter gesetzt – reine Siegwette, Quote 80.00. Der Spieler wurde Dritter. Mein Kollege fluchte. Ich hatte denselben Spieler Each Way genommen und kassierte. Seitdem erkläre ich jedem, der Golfwetten ernst nimmt, was hinter dieser Wettform steckt.
Eine Each-Way-Wette besteht aus zwei separaten Einsätzen gleicher Höhe. Der erste Teil ist die Siegwette – sie gewinnt nur, wenn der Spieler das Turnier tatsächlich gewinnt. Der zweite Teil ist die Platzierungswette gewinnt, wenn der Spieler unter den vordefinierten Platzierungsrängen landet. Der Gesamteinsatz verdoppelt sich also automatisch: Wer CHF 10 Each Way setzt, zahlt CHF 20 – CHF 10 auf Sieg, CHF 10 auf Platzierung.
Die Platzierungsquote wird aus der Siegquote abgeleitet. Der Buchmacher definiert einen Quotenbruch, bei den meisten Golfturnieren 1/4 oder 1/5. Bei einem Quotenbruch von 1/4 und einer Siegquote von 40.00 beträgt die Platzierungsquote also (40.00 – 1) / 4 + 1 = 10.75. Das bedeutet: Gewinnt der Spieler das Turnier, kassiert man beide Teile – die volle Siegquote plus die Platzierungsquote. Landet er in den Platzierungsrängen, aber nicht auf Platz 1, zahlt nur der Platzierungsteil.
Wie viele Plätze zur Platzierung zählen, hängt vom Turniergrösse und vom Anbieter ab. Bei Majors und grossen PGA-Tour-Events mit vollem Feld sind es typischerweise die Top 5 oder Top 8 bei einem Quotenbruch von 1/4. Bei kleineren Turnieren mit reduzierten Feldern können es nur die Top 3 oder Top 4 sein, oft mit einem Quotenbruch von 1/5. Diese Bedingungen stehen im Kleingedruckten. Wer sie nicht prüft, kalkuliert falsch.
Der Kern des Ganzen: Each Way ist keine „nettere“ Version der Siegwette. Es ist ein eigenständiges Instrument mit eigener Mathematik. Der Platzierungsteil funktioniert wie eine unabhängige Wette auf eine Top-Platzierung mit einer Quote, die deutlich unter der Siegquote liegt und eine viel höhere Trefferwahrscheinlichkeit hat. Und genau diese Kombination macht Each Way bei Golfturnieren mit 150+ Teilnehmern so relevant: Die Siegwahrscheinlichkeit ist für fast jeden Spieler gering, aber die Platzierungswahrscheinlichkeit ist für formstarke Spieler durchaus kalkulierbar.
Ein häufiges Missverständnis: Viele Einsteiger denken, Each Way sei einfach eine abgesicherte Siegwette. Tatsächlich ist der Platzierungsteil der eigentliche Werttreiber, besonders bei langen Quoten. Ich habe über die Jahre festgestellt, dass der Grossteil meiner EW-Gewinne aus dem Platzierungsteil stammt, nicht aus dem Siegteil. Das verändert die gesamte Herangehensweise an die Spielerauswahl.
Die Each-Way-Formel Schritt für Schritt
Zahlen lügen nicht, aber nur, wenn man sie korrekt liest. Die Each-Way-Formel sieht auf den ersten Blick harmlos aus, hat aber Komponenten, die selbst erfahrene Wettkunden regelmässig übersehen. Ich rechne das an zwei Beispielen durch, die unterschiedliche Szenarien abdecken.
Die Grundformel für die Platzierungsquote lautet: (Siegquote – 1) / Quotenbruch + 1. Der Quotenbruch ist der Faktor, den der Buchmacher festlegt – bei den meisten Golfturnieren 1/4 oder 1/5. Daraus ergeben sich zwei unterschiedliche Auszahlungsstrukturen, und der Unterschied ist nicht trivial.
Beispiel 1: Lange Quote, Quotenbruch 1/4
Angenommen, ich setze CHF 10 Each Way auf einen Spieler mit einer Siegquote von 51.00. Der Gesamteinsatz beträgt CHF 20 (CHF 10 Sieg + CHF 10 Platzierung). Die Platzierungsquote berechnet sich so: (51.00 – 1) / 4 + 1 = 13.50. Drei Szenarien ergeben sich daraus:
Szenario A – der Spieler gewinnt das Turnier: Siegteil zahlt CHF 10 × 51.00 = CHF 510. Platzierungsteil zahlt ebenfalls, weil der Sieger per Definition auch platziert ist: CHF 10 × 13.50 = CHF 135. Gesamtauszahlung: CHF 645. Nettogewinn: CHF 625.
Szenario B – der Spieler wird Vierter (innerhalb der Platzierungsränge): Siegteil verliert. Platzierungsteil zahlt CHF 10 × 13.50 = CHF 135. Nettogewinn: CHF 115.
Szenario C – der Spieler wird 15. (ausserhalb der Platzierungsränge): Beide Teile verlieren. Verlust: CHF 20.
Beispiel 2: Mittlere Quote, Quotenbruch 1/5
Jetzt ein Spieler mit einer Siegquote von 21.00, Quotenbruch 1/5, Einsatz CHF 10 Each Way. Die Platzierungsquote: (21.00 – 1) / 5 + 1 = 5.00. Bei einem Sieg: CHF 10 × 21.00 + CHF 10 × 5.00 = CHF 260, Nettogewinn CHF 240. Bei einer Platzierung ohne Sieg: CHF 10 × 5.00 = CHF 50, Nettogewinn CHF 30. Der Unterschied ist auffällig: Bei 1/5 schmilzt der Platzierungswert erheblich. Die gleiche Siegquote von 21.00 ergibt bei 1/4 eine Platzierungsquote von 6.00 statt 5.00, also 20% mehr Auszahlung auf den Platzierungsteil.
Diese Differenz ist der Grund, warum ich bei jedem EW-Engagement zuerst den Quotenbruch prüfe. Ein Turnier mit 1/4-Bruch und Top-8-Platzierung ist ein grundsätzlich anderes Risikoprofil als eines mit 1/5-Bruch und Top-5-Platzierung. Die Formel selbst ist einfach; die strategische Interpretation macht den Unterschied.
Noch ein Detail, das oft untergeht: Die H2H-Märkte im Golf bieten Auszahlungsquoten von über 95%, deutlich über dem Niveau von Siegwetten. Wer Each Way als Ergänzung zu H2H-Wetten versteht, baut ein diversifiziertes Portfolio auf, statt alles auf eine Karte zu setzen.
Was passiert nun bei einem Turnier, bei dem zwei Spieler gleichzeitig interessant wirken? Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil der Formel: Man kann den erwarteten Wert beider EW-Wetten direkt vergleichen. Spieler A mit Quote 30.00, geschätzte Top-5-Wahrscheinlichkeit 22%. Spieler B mit Quote 60.00, geschätzte Top-5-Wahrscheinlichkeit 12%. Spieler A: Platzierungsquote (30 – 1) / 4 + 1 = 8.25. Erwarteter Platzierungswert: 0.22 × CHF 82.50 = CHF 18.15 bei CHF 20 Einsatz, also negativ. Spieler B: Platzierungsquote (60 – 1) / 4 + 1 = 15.75. Erwarteter Platzierungswert: 0.12 × CHF 157.50 = CHF 18.90, knapp negativ, aber fast Break-Even. Dazu kommt der Siegteil: 0.12 × CHF 600 = CHF 72 vs. 0.22 × CHF 300 = CHF 66. Spieler B hat in diesem Szenario den besseren Gesamterwartungswert, obwohl seine Platzierungswahrscheinlichkeit geringer ist. Die Formel macht solche Vergleiche möglich. Das Bauchgefühl nicht.
Break-Even-Analyse: Ab wann lohnt sich Each Way?
Die Frage, die ich am häufigsten bekomme: „Ab welcher Quote lohnt sich Each Way überhaupt?“ Die ehrliche Antwort: Es gibt keinen fixen Schwellenwert, aber es gibt einen Break-Even-Punkt, den jeder vor dem Einsatz kennen sollte. Pamela Maldonado, Wettanalystin bei ESPN, hat es treffend formuliert: Golfwetten sind ein schleichendes Nervenflattern. Wer ohne Plan Outright-Sieger tippt und hofft, landet direkt im Bunker.
Der Break-Even-Punkt beschreibt die Platzierungswahrscheinlichkeit, ab der der Platzierungsteil allein den Gesamteinsatz deckt. Die Rechnung: Gesamteinsatz / Platzierungsauszahlung. Bei meinem Beispiel mit einer Siegquote von 51.00, Quotenbruch 1/4 und CHF 10 Each Way: Platzierungsquote = 13.50, Platzierungsauszahlung = CHF 135. Break-Even = CHF 20 / CHF 135 = 14,8%. Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der Spieler in den Top 5 landet, über 14,8% liegt, ist der EW-Einsatz im Erwartungswert profitabel, selbst wenn er nie gewinnt.
Bei kürzeren Quoten sieht die Rechnung anders aus. Nehmen wir einen Favoriten mit Siegquote 12.00, Quotenbruch 1/4: Platzierungsquote = (12.00 – 1) / 4 + 1 = 3.75. Platzierungsauszahlung bei CHF 10 Einsatz: CHF 37.50. Break-Even = CHF 20 / CHF 37.50 = 53,3%. Der Spieler müsste in mehr als der Hälfte aller Turniere in den Top 5 landen, damit sich Each Way rechnet. Das schaffen selbst die Besten der Welt nicht konstant.
Hier liegt der Schlüssel: Each Way ist ein Instrument für mittlere bis lange Quoten. Bei Quoten unter 15.00 ist der Platzierungsteil so mager, dass der Break-Even unrealistisch hoch ausfällt. Meine persönliche Faustregel nach elf Jahren: Unter einer Siegquote von 20.00 prüfe ich zuerst, ob eine reine Top-5- oder Top-10-Wette nicht die bessere Alternative ist. Dort setze ich nur den einfachen Einsatz und brauche keine unrealistische Platzierungsquote.
Umgekehrt entfaltet Each Way bei Quoten von 40.00 aufwärts seine volle Stärke. Die Platzierungsquote wird attraktiv, der Break-Even realistisch, und der Platzierungsteil finanziert im besten Fall eine Serie von Fehlschlägen. Ich nutze EW deshalb vor allem bei formstarken Spielern im mittleren Quotenbereich: Spieler, die regelmässig Cuts schaffen und Top-10-Ergebnisse liefern, aber nicht zu den absoluten Siegfavoriten zählen.
Ein Vergleich macht es anschaulich: Bei einer Quote von 51.00 und Quotenbruch 1/4 beträgt der Break-Even rund 15%. Bei derselben Quote und Quotenbruch 1/5 steigt er auf 18,5%. Das klingt nach wenig Unterschied, aber über eine Saison mit 30 Turnieren summiert sich das. Wer den Quotenbruch ignoriert, überschätzt systematisch den Wert seiner Each-Way-Wetten. Darum vergleiche ich vor jeder Turnierwoche die Platzierungsbedingungen bei mindestens zwei Anbietern. Die Unterschiede sind oft erstaunlich gross, und die besseren Bedingungen verschieben den Break-Even um mehrere Prozentpunkte nach unten.
Platzierungsbedingungen bei verschiedenen Turnierformaten
Beim PGA Championship 2026 – Rekord-Purse von USD 20,5 Mio. – hatte ich drei Each-Way-Wetten laufen. Zwei davon kalkulierte ich mit Top-8-Platzierung, eine mit Top 5. Das Problem: Einer der Buchmacher bot für genau dieses Turnier nur Top 5 an, ein anderer Top 8. Dieselbe Wettart, dasselbe Turnier, komplett unterschiedliche Bedingungen. Wer das nicht prüft, rechnet mit den falschen Zahlen.
Die Platzierungsbedingungen variieren entlang dreier Achsen: Turniergrösse, Preisgeld und Anbieter. Bei den vier Majors (Masters, PGA Championship, US Open, The Open) bieten die meisten Buchmacher Top 5 oder Top 8 mit Quotenbruch 1/4 an. Das volle Feld von 156 Spielern rechtfertigt grosszügige Platzierungsräume. Bei Signature Events der PGA Tour, die ebenfalls volle Felder und USD 20 Mio. Preisgeld haben, sind die Bedingungen oft identisch.
Kleinere PGA-Tour-Events oder DP-World-Tour-Turniere mit reduzierten Feldern von 120 bis 130 Spielern haben häufig schmalere Bedingungen: Top 4 oder Top 5 mit Quotenbruch 1/5. Der Unterschied ist erheblich. Bei Top 8 und 1/4 deckt die Platzierungswette einen deutlich grösseren Wahrscheinlichkeitsraum ab als bei Top 4 und 1/5. Das verändert den Break-Even massiv.
Dann gibt es Sonderformate. Einladungsturniere mit nur 70 bis 80 Spielern schrumpfen die Platzierungsränge teils auf Top 3. Bei Teamwettbewerben wie dem Ryder Cup existiert Each Way gar nicht, weil das Format grundsätzlich anders funktioniert. Und bei LIV-Golf-Events mit 48-Spieler-Feldern sind die Bedingungen nochmals völlig verschieden. Manche Anbieter bieten dort EW gar nicht an.
Ein Aspekt, den viele übersehen: Tote bei Platzierungen. Wenn drei Spieler auf dem fünften Platz enden und die Platzierung bis Top 5 gilt, wird die Auszahlung geteilt. Bei drei Spielern auf Rang 5 erhalten alle drei den Platzierungsanteil, aber anteilig reduziert. Manche Buchmacher rechnen hier mit einem sogenannten Dead-Heat-Abzug: Die Platzierungsauszahlung wird durch die Anzahl der beteiligten Spieler geteilt und mit der Anzahl der verfügbaren Plätze multipliziert. Bei zwei Spielern auf dem letzten Platzierungsrang und einem verfügbaren Platz bedeutet das: halbe Platzierungsauszahlung. Dieses Detail hat mir schon Auszahlungen gekostet, die ich fest eingeplant hatte.
Mein Workflow vor jeder EW-Wette: Zuerst das Feld prüfen: Wie viele Spieler starten tatsächlich? Dann die Platzierungsbedingungen beim konkreten Anbieter nachschlagen, nicht raten. Anschliessend die Dead-Heat-Wahrscheinlichkeit einschätzen, da bei grossen Feldern ist sie höher, besonders an der Platzierungsgrenze. Und schliesslich den Break-Even mit den tatsächlichen Bedingungen berechnen, nicht mit Standardannahmen. Diese Schritte dauern drei Minuten und sparen langfristig Geld.
Typische Fehler bei Each-Way-Wetten
Drei Fehler sehe ich immer wieder, bei Anfängern wie bei Leuten, die seit Jahren auf Golf wetten. Und alle drei haben mit demselben Problem zu tun: Die Mechanik wird intuitiv verstanden, aber nicht durchgerechnet.
Der erste Fehler ist die Favoritenfalle. Ein Spieler mit Siegquote 8.00 klingt nach einer soliden Wette. Each Way bei Quotenbruch 1/4 ergibt eine Platzierungsquote von (8.00 – 1) / 4 + 1 = 2.75. Bei CHF 10 EW (also CHF 20 Gesamteinsatz) bringt eine Platzierung ohne Sieg CHF 27.50, ein Nettogewinn von gerade mal CHF 7.50 bei einem Einsatz von CHF 20. Der Break-Even liegt bei 72,7%. Kein Golfer der Welt platziert sich in fast drei von vier Turnieren in den Top 5. Each Way auf Favoriten mit kurzen Quoten ist fast immer ein schlechtes Geschäft. Für solche Spieler sind reine Siegwetten oder Top-Wetten die bessere Wahl.
Ich habe das selbst schmerzlich gelernt. In meinem dritten Jahr mit Golfwetten setzte ich bei jedem Turnier CHF 10 EW auf den Erstplatzierten der Weltrangliste. Fünf Turniere lang, jeweils Quoten zwischen 7.00 und 12.00. Zweimal platziert, dreimal nichts. Der Nettogewinn der zwei Platzierungen: rund CHF 25. Der Verlust der drei Fehlschläge: CHF 60. Saldo: minus CHF 35. Seitdem habe ich eine harte Grenze: Keine EW-Wetten unter Siegquote 20.00.
Der zweite Fehler: falsche Platzierungsannahmen. Ich habe Wettkunden getroffen, die ihre Kalkulation auf Top 8 aufgebaut hatten, aber der Buchmacher zahlte nur Top 5. Bei einer Quote von 41.00 bedeutet Top 8 statistisch eine geschätzte Platzierungswahrscheinlichkeit von rund 25-30%, Top 5 dagegen nur 15-20%. Die Kalkulation stimmt, aber die Prämisse ist falsch. Die Bedingungen stehen immer im Wettschein. Dort steht genau, wie viele Plätze zählen und welcher Quotenbruch gilt. Wer das nicht liest, wettet blind.
Der dritte und teuerste Fehler: die Einsatzverdopplung unterschätzen. Each Way kostet den doppelten Einsatz, und das summiert sich schnell. Wer pro Turnier vier EW-Wetten à CHF 10 platziert, investiert CHF 80, nicht CHF 40. Bei einer Saison mit 40 Turnieren und durchschnittlich drei EW-Wetten pro Event sind das CHF 2’400 Einsatz. Wer sein Bankroll-Management auf Einzelwetten-Logik aufbaut, überzieht systematisch. Ich plane meine EW-Einsätze immer zum doppelten Nominalwert. Das hält das Gesamtbudget im Rahmen.
Es gibt noch einen vierten Punkt, der streng genommen kein Fehler ist, aber ein Denkfehler: Each Way als emotionale Absicherung zu nutzen. „Ich nehme EW, damit ich wenigstens etwas bekomme“. Das ist Psychologie, keine Strategie. Wer EW wählt, weil er den Totalverlust fürchtet, setzt fast immer auf die falschen Spieler oder bei den falschen Quoten. Jede EW-Wette muss rechnerisch Sinn ergeben, nicht emotional.
Each Way oder Outright: Entscheidungshilfe
Die Entscheidung zwischen Each Way und Outright ist keine Frage des Geschmacks, sondern folgt einer klaren Logik, die sich an drei Variablen orientiert: Siegquote, Platzierungswahrscheinlichkeit und verfügbare Alternativen.
Outright ist die richtige Wahl, wenn die Siegquote unter 15.00 liegt. In diesem Bereich bietet der Platzierungsteil zu wenig Wert, und der doppelte Einsatz frisst den ohnehin mageren Platzierungsgewinn auf. Bei einem Favoriten mit Quote 10.00 und Quotenbruch 1/4 beträgt die Platzierungsquote nur 3.25. Der Nettogewinn bei Platzierung ohne Sieg: CHF 12.50 bei CHF 20 Einsatz. Das ist kein Absicherungsinstrument, das ist Geldverbrennung.
Each Way macht Sinn ab Siegquoten von ungefähr 25.00 aufwärts, wo der Platzierungsteil zum echten Werttreiber. Bei 51.00 und 1/4 liegt der Break-Even bei unter 15%, bei 80.00 bei rund 10%. Das sind Wahrscheinlichkeiten, die formstarke Spieler in grossen Turnierfeldern durchaus erreichen. Und genau hier liegt der Sweet Spot: Spieler mit einer realistischen Top-5-Chance von 20-30%, die der Markt bei Quoten von 40.00 bis 80.00 einpreist.
Dann gibt es die dritte Option, die viele übersehen: reine Top-Wetten. Top 5, Top 10 oder Top 20, ohne den Siegteil. Diese Märkte bieten bei einigen Anbietern eigenständige Quoten, die nicht an den Quotenbruch gebunden sind. Der Vorteil: einfacher Einsatz statt doppelter, und die Quote entspricht direkt der Platzierungswahrscheinlichkeit. In der Quotenanalyse zeigt sich, dass Top-Wetten bei mittleren Quoten oft den besseren erwarteten Wert bieten als der Platzierungsteil einer EW-Wette.
Meine Entscheidungsmatrix nach elf Jahren: Siegquote unter 15: Outright oder Top-Wette. Siegquote 15 bis 25: Top-Wette bevorzugt, EW nur bei sehr grosszügigen Platzierungsbedingungen (Top 8, 1/4). Siegquote über 25: Each Way, wenn die Platzierungsbedingungen stimmen. Siegquote über 80: EW mit kleinem Einsatz, weil der Platzierungsteil allein schon die gesamte Investition tragen kann.
Ein letzter Punkt: Die Auszahlungsquoten bei H2H-Golfwetten liegen über 95%. Wer sich zwischen EW und Outright entscheidet, sollte immer auch prüfen, ob der Spieler in einem attraktiven H2H-Markt verfügbar ist. Manchmal ist die beste Alternative zum EW keine andere Outright-Variante, sondern ein komplett anderer Markt.
Häufige Fragen zu Each-Way-Wetten
Wie viele Plätze zahlt Each Way beim Golf?
Die Anzahl hängt vom Turnier und Anbieter ab. Bei Majors und grossen PGA-Tour-Events sind es typischerweise die Top 5 oder Top 8 bei einem Quotenbruch von 1/4. Kleinere Turniere bieten oft nur Top 3 oder Top 4 bei 1/5. Die genauen Bedingungen stehen im Wettschein. Vor jeder Wette prüfen.
Verdoppelt sich mein Einsatz bei einer Each-Way-Wette automatisch?
Ja. Each Way besteht aus zwei separaten Wetten gleicher Höhe: Sieg und Platzierung. CHF 10 Each Way bedeutet CHF 20 Gesamteinsatz. Dieser Punkt wird häufig unterschätzt und führt zu Budgetproblemen, wenn man mehrere EW-Wetten pro Turnier platziert.
Was passiert mit meiner Each-Way-Wette bei einem Spieler-Rückzug?
Bei den meisten Anbietern wird die Wette bei einem Rückzug vor dem Turnier storniert und der Einsatz erstattet. Zieht sich der Spieler während des Turniers zurück, gilt er in der Regel als nicht platziert. Beide Teile verlieren. Die genauen Regeln variieren je nach Anbieter und Zeitpunkt des Rückzugs.
Gibt es Each Way auch bei Live-Golfwetten?
Einige Anbieter bieten Each Way auch im Live-Markt an, allerdings mit angepassten Platzierungsbedingungen und Quotenbrüchen. Die Verfügbarkeit ist eingeschränkter als im Pre-Match-Markt, und die Quoten verändern sich über die vier Turniertage. Prüfen Sie vor einer Live-EW-Wette immer die aktuellen Bedingungen.
Erstellt von der Redaktion von „Golf Wetten Schweiz”.
